„Alkoholfreier Gin“ wird bei Google 6.600 Mal im Monat gesucht – dabei gibt es ihn seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs offiziell gar nicht mehr. Was nach Wortklauberei klingt, hat handfeste rechtliche Gründe und praktische Folgen für alle, die auf der Suche nach einem Getränk ohne Alkohol, aber mit Wacholder-Charakter sind. Wir erklären, warum der Begriff verboten ist, was stattdessen gilt – und zeigen, welche alkoholfreien Wacholder-Destillate in unseren eigenen Tests überzeugt haben.

Warum es „alkoholfreien Gin“ rechtlich nicht mehr gibt

Gin ist in der EU eine geschützte Kategoriebezeichnung. Nach der Spirituosenverordnung VO (EU) 2019/787, Art. 10 Abs. 7, darf sich nur nennen „Gin“, was mindestens 37,5 Prozent Alkohol enthält. Ein Getränk mit 0,0 Prozent erfüllt diese Voraussetzung per Definition nicht – egal wie nah es geschmacklich herankommt.

Lange war die Bezeichnung „alkoholfreier Gin“ trotzdem branchenüblich, auch bei uns. Zwei Urteile haben das beendet: Der Europäische Gerichtshof entschied am 13.11.2025 im Verfahren C-563/24 (Vorlage des LG Potsdam, Fall „Virgin Gin Alkoholfrei“), dass die geschützte Bezeichnung „Gin“ auch dann nicht für alkoholfreie Produkte verwendet werden darf, wenn Verwechslungsgefahr faktisch ausgeschlossen ist. Das Oberlandesgericht Hamburg zog am 02.04.2026 (Az. 3 U 57/25) nach und untersagte auch Ausweichformulierungen wie „alkoholfreie Alternative zu Gin“ oder Geschmacksvergleiche wie „schmeckt nach Gin“ in der Werbung. Die Revision zum Bundesgerichtshof wurde zugelassen, das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen. Bis eine höchstrichterliche Entscheidung vorliegt, gilt die Hamburger Linie als Maßstab. Sobald der Fall entschieden ist, ordnen wir das Urteil in einem eigenen Beitrag ein.

Für uns als Redaktion heißt das: Wir nennen Produkte nicht mehr „alkoholfreier Gin“, sondern beim Namen, den der Hersteller ihnen gibt, und ordnen sie als das ein, was sie sind – alkoholfreie Wacholder-Destillate. Der Suchbegriff „alkoholfreier Gin“ bleibt in diesem Beitrag stehen, weil wir über ihn berichten. Als Produktbezeichnung verwenden wir ihn nicht.

Was ein alkoholfreies Wacholder-Destillat überhaupt ist

Alkoholfreie Wacholder-Destillate versuchen, den Charakter von Wacholder, Zitrus und weiteren Botanicals einzufangen, ohne die für die Kategorie „Gin“ vorgeschriebene Alkoholstärke zu erreichen. „Alkoholfrei“ bedeutet dabei nicht zwangsläufig 0,0 Prozent: Nach deutschem Lebensmittelrecht darf ein Getränk diese Bezeichnung tragen, solange der Restalkoholgehalt 0,5 Prozent vol nicht übersteigt. Einige Hersteller kommen näher an 0,0 Prozent heran, andere schöpfen den erlaubten Rahmen aus – das steht jeweils auf dem Etikett.

Zwei Herstellungswege haben sich etabliert. Beim ersten werden Botanicals wie Wacholder, Zitrusschalen oder Kräuter mit Wasser statt mit Alkohol destilliert oder mazeriert; der Alkohol als Löse- und Trägermittel fehlt von vornherein. Beim zweiten Weg entsteht zunächst ein gewöhnlicher Gin oder Wein, dem der Alkohol anschließend schonend entzogen wird, etwa per Vakuumdestillation. Beide Verfahren haben Stärken und Schwächen: Wasserdestillate sind von Grund auf alkoholfrei konzipiert, entalkoholisierte Produkte übernehmen mehr von der Aromatik des Ausgangsprodukts, sind dafür aufwendiger in der Herstellung.

Die besten alkoholfreien Wacholder-Destillate aus unseren eigenen Tests

Statt einer weiteren allgemeinen Bestenliste zeigen wir hier nur Produkte, die wir selbst verkostet und ausführlich getestet haben. Jeder Eintrag verlinkt auf den vollständigen Einzeltest mit allen Tasting-Notes.

Alle vier Destillate haben wir unabhängig erhalten und nach eigenem Ermessen bewertet; das ist in den jeweiligen Einzeltests vermerkt.

Serviervorschläge aus unseren Tests

Wo es alkoholfreie Wacholder-Destillate zu kaufen gibt

Die Kategorie ist inzwischen im gut sortierten Lebensmittelhandel, in spezialisierten Spirituosenfachgeschäften sowie online direkt bei den Herstellern erhältlich. Manche Marken vertreiben ausschließlich über den eigenen Onlineshop, wie Die Ginin alkoholfrei; andere, etwa Siegfried Wonderleaf oder The Duke Entgeistert, sind zusätzlich über den Fachhandel und teils große Supermarktketten zu bekommen. Verfügbarkeit und Sortiment schwanken regional, ein Blick in die Spirituosenabteilung neben dem Tonic-Water-Regal lohnt sich in jedem Fall.

Häufige Fragen

Ist „alkoholfreier Gin“ eine Straftat oder nur ein Verbot für Hersteller?
Das Verbot richtet sich an die Werbung und Kennzeichnung von Herstellern und Händlern, nicht an Verbraucher oder Medien, die sachlich über die Kategorie berichten. Deshalb taucht der Begriff in diesem Beitrag auf – als Gegenstand der Berichterstattung, nicht als Produktbezeichnung.

Warum steht auf manchen Flaschen trotzdem „Gin-Geschmack“ oder Ähnliches?
Die Rechtsprechung ist noch nicht abschließend geklärt (BGH-Revision zu Az. 3 U 57/25 zugelassen), und nicht jeder Hersteller hat seine Etiketten und Website-Texte bereits angepasst. Wir zitieren Produktnamen so, wie die Hersteller sie aktuell führen.

Wie nah kommen alkoholfreie Wacholder-Destillate im Aromaprofil an klassischen Gin heran?
Das ist von Produkt zu Produkt unterschiedlich und Geschmackssache. Details dazu stehen in den jeweiligen Einzeltests, auf die wir oben verlinken.


Hinweis: Dieser Beitrag richtet sich an volljährige Leserinnen und Leser. Alkoholfreie Wacholder-Destillate enthalten je nach Produkt bis zu 0,5 Prozent vol Restalkohol und sind kein Kinderprodukt. Alle getesteten Muster wurden uns kostenlos von den Herstellern zur Verfügung gestellt; das hat auf die Bewertung keinen Einfluss.