Kein geschützter Begriff
„Reserve“ oder „Reserve Gin“ ist – anders als die Mindeststärke von 37,5 % Vol. für die Kategorie „Gin“ selbst nach der EU-Spirituosenverordnung (EU) 2019/787 – keine gesetzlich definierte Bezeichnung. Jeder Hersteller kann einen fassgelagerten oder anderweitig veredelten Gin „Reserve“ nennen (vergleiche unseren Artikel zu Navy Strength Gin, für den dieselbe rechtliche Freiheit gilt).
Was Fasslagerung technisch bewirkt
Bourbon-, Sherry-, Port- oder Weinfässer verleihen dem Destillat Aromen von Vanille, Karamell und Trockenfrüchten. Das im Fassholz enthaltene Lignin und Tannin reagiert dabei mit dem Destillat – ähnlich wie bei der Whisky-Fasslagerung, allerdings über deutlich kürzere Zeiträume von Wochen bis wenigen Monaten statt Jahren, da Gin anders als Whisky nicht grundsätzlich auf Fasslagerung als Herstellungsschritt angewiesen ist.
Vier Beispielflaschen im Vergleich
| Abfüllung | Herkunft | Fass |
|---|---|---|
| Monkey 47 Barrel Cut | Deutschland (Schwarzwald) | – |
| Citadelle Reserve | Frankreich | französische Eichenfässer |
| Hernö Juniper Cask Gin | Schweden | neue schwedische Eichenfässer |
| Bobby’s Schiedam Dry Gin Aged | Niederlande (Schiedam) | – |
Warum Schiedam als Herkunftsort mehr ist als ein Detail
Schiedam war historisch das Zentrum der niederländischen Genever-Produktion und -Fasslagerung. Ein „Aged Gin“ aus dieser Stadt bezieht sich damit bewusst auf eine jahrhundertealte lokale Fasslagerungstradition – ein Kontext, den ein reiner Produktname nicht vermittelt.
Verkostung
Empfohlen: pur bei Raumtemperatur, mit wenig Wasser, im hochwertigen Gin Tonic oder in klassischen Cocktails wie Negroni oder Martini.
Preisniveau
Reserve-Abfüllungen beginnen bei etwa 50 Euro – deutlich über der Standardlinie derselben Marken, was sich auch dadurch erklärt, dass fassgelagerte Ware Kapital über einen längeren Zeitraum bindet als sofort verkaufsfertiger Gin.